William Shakespeare
  Auch dieses Portrait entstand erst nach dem Tod des Barden – wie er tatsächlioch ausgesehen haben mag, weiß kein Mensch.

 

 
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It was Marlowes Friend Will!

Ein Kommentar zur Verfasserdebatte
von Sven Mulon Rutter

Obgleich sich die Autorenfrage angesichts der vielen Unsicherheiten durchaus stellt, die die einschlägige Forschung vor allem in den letzten 150 Jahren angemahnt hat, ist es im Grunde genommen dennoch müßig, zu fragen, wer die Werke von William Shakespeare geschrieben hat. Denn die einzige gesicherte Antwort, die sich angesichts der Ergebnislosigkeit dieser Forschung auf die Frage ergibt, ob nicht in Wahrheit der eine oder andere britische Zeitgenosse jenes Will Shakespeare aus Stratford-upon-Avon neben all seinen verbrieften Verdiensten auch noch diese großartige Leistung vollbracht haben könnte, lautet: Wir wissen es nicht. Die Materie „Shakespeare“ gehört zu den besterforschten der Menschheitsgeschichte. Mehr als drei Jahrhunderte hat man teilweise fast schon besessen nach dem Menschen Will Shakespeare gefahndet. Dennoch hat niemand hat zweifelsfrei den wahren Shakespeare charakterisieren können. Das Thema ist erschöpft – die Frage nicht zu beantworten. Das gilt im Prinzip für alle Verfassertheorien, einschließlich dem potentiellen Autoren Will Shakespeare selbst.
Die wenigen, gesicherten biographischen Überlieferungen und Dokumente vom Leben des Will Shakespeare sprechen wahrlich eher für einen gewitzten Geschäftsmann aus einfachen Verhältnissen mit leidlichen Theaterbeziehungen — vielleicht sogar einen kleinen Gauner — als für einen großen Dramaturgen. Die gewaltige, von vielen Biographen als einmalig bezeichnete Differenz zwischen Leben und Werk des Will Shakespeare ist eines der wichtigsten Argumente gegen seine Autorenschaft.
 Gleichzeit erlaubt dieses großartige, vielschichtige und hochkomplexe Werk, dass sich für nahezu jeden Verfasserkandidaten autobiographische Hinweise hineininterpretieren lassen. So lange sich durch die Zuordnung des Werkes zu irgendeinem potentiellen Autor nicht ein unüberbrückbarer Widerspruch zu dessen Biographie ergibt, setzt das Werk der Konstruktion von Argumenten für eine Verfasserschaft kaum Grenzen. Einzige Voraussetzung: Der Kandidat hat zu Will Shakespeares Lebzeiten gelebt und war der englischen Sprache mächtig.
Das Werk ist vielfältig interpretierbar — passt auf den einen wie auf den anderen — zeugt gleichzeitig von Königstreue und von revolutionären Ideen, teilweise an gleicher Stelle vom Geiste einer hochgebildeten Person und einer aus sehr einfachen Verhältnissen (was in der Häresie gern vernachlässigt wird), eines jungen und eines reifen Autors, eines Adeligen und eines Bauernburschen á la Arthur Rimbaud usw. Manch einer behauptet, die vielen rechtwissenschaftlichen Fachbegriffe lassen als Autor nur einen Rechtsgelehrten zu (z.B. Bacon); andere vermuten angesichts der Intimkenntnisse der Gebräuche bei Hofe einen Adeligen (z.B. Oxford); wieder andere erkennen "zweifelsfrei" einen Mediziner, einen Lebemann, einen Spion usw. — wie es gerade am besten zum eigenen Verfasserkandidaten passt. Hier lässt sich jeder Kandidat argumentativ ebenso einordnen wie ausschließen. Wer vom Kandidaten auf das Werk schließt, wird immer fündig — aber genau diese Tatsache relativiert das Gefundene gleichzeitig zur subjektiven Interpretation von geringer Aussagekraft.
Sicher: Man kann nur vom Werk ausgehen — das Werk ist schließlich der einzige gesicherte Hinweis auf den Autor, über den wir verfügen. Man sollte das Werk allerdings objektiv analysieren — ohne gleich einen konkreten Verfasserkandidaten im Blickfeld zu haben. Das ist zugegebenermaßen nicht sehr erfolgversprechend: Konkrete biografischen Hinweise, die zweifelsfrei auf einen bestimmten Autor schließen lassen, werden sich angesichts der vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten — über die selbst in der Literaturwissenschaft keine Einigkeit herrscht — kaum finden lassen (selbst die sogenannten "Will-Sonette" könnten auch von William Stanley stammen).
Bleibt die Frage: Ergibt sich aus dem Werk überhaupt eine unbestreitbare biographische Eigenschaft, über die der Autor zweifelsfrei verfügt haben muss? Die gibt es durchaus: Die gesamte Literaturwissenschaft ist sich darüber einig, dass dies das Werk eines der größten Lyriker aller Zeiten ist. Das lyrische Talent und Können des Autors übertreffen bei weitem alle zeitgenössischen Literaten sowie zudem einen großen Teil dessen, was vor und nach seinen Lebzeiten geschrieben wurde. Sein Leistung ist mindestens ebenso bemerkenswert wie die eines Michelangelo in der bildenden Kunst oder eines Beethoven in der Musik. Dass der Autor der Werke, die unter dem Namen Will Shakespeare erschienen sind, ein grandioser Lyriker gewesen sein muss, ist die einzige gesicherte Tatsache, die wir über den Autor wissen — und von allen "Verfasserfraktionen" unbestritten (wird in der Häresie allerdings gern in den Hintergrund gedrängt).
Hilft diese Erkenntnis weiter? Sie schließt zumindest einen Großteil der bislang diskutierten Kandidaten für eine Autorenschaft aus — darunter gerade einige der populärsten wie beispielsweise Francis Bacon. Bacon (1561-1626) ist wohl der Kandidat mit den meisten Anhängern unter den Häretikern. Er verfügt über viele biographische Eigenschaften, die man vom Autor der Werke Shakespeares erwarten würde — ein kluger Kopf, bedeutender Philosoph, Naturwissenschaftler, Rechtsgelehrter, Staatsmann etc. Aber war er auch ein grandioser Lyriker? Davon ist nichts bekannt.
Sicher könnten jetzt viele Baconianer darauf verweisen, dass Bacon sein lyrisches Talent eben gerade unter dem Pseudonym "Shakespeare" ausgelebt habe. Aber konnte er das ansonsten so konsequent unterdrücken? Müsste sich nicht auch in Bacons inhaltlich zweifellos großartigen philosophischen Schriften zumindest ein Hinweis auf eine überragende lyrische Gabe finden lassen? Warum hat sie sich nie in einem Rechtsgutachten oder anderen überlieferten Dokumenten Bacons niedergeschlagen? Die Antwort liegt auf der Hand: Bacon mag vieles gewesen sein — dass er zudem ein lyrisches Genie gewesen ist, erscheint jedoch angesichts fehlender Nachweise trotz zahlreicher überlieferter literarischer Schriften sehr unwahrscheinlich.
Gleiches gilt für die meisten anderen populäre Verfasserkandidaten: von Oxford (Edward de Vere, 17. Earl of Oxford, 1550-1604) über Derby (William Stanley, 6. Earl of Derby, 1561-1642) und Rutland (Roger Manners, 5. Earl of Rutland, 1576-1612) bis zu Königin Elisabeth I. — keiner von ihnen ist zu Lebzeiten oder durch später zweifelsfrei zugeordnete literarische Werke als außergewöhnliches lyrisches Talent oder gar Genie aufgefallen. Aber über eben dieses außergewöhnliche wie unübersehbare lyrische Talent muss der Autor des Werks verfügt haben, das unter dem Namen Will Shakespeare erschienen ist. Noch einmal: Das ist einzige unbestreitbare Tatsache, die wir über den Autor wissen..
Wie stand es mit dem lyrischen Talent von Will Shakespeare aus Stratford? Wir wissen es nicht. Er ist abgesehen von seiner Namensnennung auf der ersten Folio- und einigen vorangegangenen Quarto-Ausgaben ebenfalls nicht als herausragender Lyriker aufgefallen. Er wurde von seinen Zeitgenossen nicht als solcher gefeiert und selbst anlässlich seines Todes nicht als solcher gewürdigt. Für ein Genie wurde von Will Shakespeare zu seinen Lebzeiten generell erstaunlich wenig Notiz genommen — im Gegensatz zu vielen anderen Verfasserkandidaten, obgleich diese nicht unbedingt über derart unvergleichbare Fähigkeiten verfügten.
Will Shakespeare aus Stratford muss also — wenn überhaupt — ein verkanntes Genie gewesen sein. Das gilt jedoch auch für die meisten anderen populären Verfasserkandidaten — zumindest bezüglich ihres lyrischen Genies, für das sie ebenfalls zu Lebzeiten nicht bekannt waren. Da allerdings von Will Shakespeare aus Stratford die wenigsten literarisch verwertbaren Vergleichsdokumente existieren, spricht bei ihm zumindest nichts gegen ein verkanntes lyrisches Genie — bis auf seine Herkunft und seinen sozialen Status. Seine Biographie deutet weder auf eine höhere Schulbildung hin (der Vater war Analphabet) — die jedoch Voraussetzung für das Studium der literarischen Vorlagen seines Werkes sowie für die umfangreiche Allgemeinbildung des Autors ist — noch auf längere Auslandesreisen — der Autor des Werkes muss zumindest Italien und Frankreich gut gekannt haben — noch auf irgendeine besondere Beziehung zur Literaturwissenschaft (bis auf seine Schauspielertätigkeit). Die großen Lücken in seiner Biographie lassen zwar durchaus zeitlichen Raum für Studium und Reisen — die einfachen sozialen Verhältnisse, aus denen Shakespeare kam, stehen jedoch auf den ersten Blick einer akademischen Karriere im elisabethanischen England entgegen.
Ist es möglich, das Will Shakespeare aus Stratford angesichts seiner einfachen Herkunft und seines relativ niedrigen sozialen Standes dieses großartige Werk verfasst hat? Die Antwort gibt ein anderer, populärer Verfasserkandidat: Wenn es unmöglich wäre, hätte es Christopher Marlowe nie gegeben. Dieser Schumachersohn, der im gleichen Jahr wie Shakespeare geboren wurde, hat es tatsächlich geschafft, sich trotz niedrigster Herkunft zu einem geachteten Intellektuellen und gefeierten Literaten zu entwickeln.
Marlowes Biographie kennt man vergleichsweise gut, da er schon zu Lebzeiten öffentliche Popularität erlangt hat und sein Leben entsprechend aufmerksam verfolgt und dokumentiert wurde. Das erstaunliche: Sie beschreibt genau jene unglaubliche Geschichte, die man kreieren müsste, wollte man Will Shakespeare zum Autor des Werkes erheben, das unter seinem Namen veröffentlicht wurde: Ein Junge aus einfachsten Verhältnissen, der sich durch Fleiß und Talent ein Stipendium an einer Elite-Universität verdient, vom Geheimdienst angeheuert und ins Ausland geschickt wird, wo er fremde Kulturen und Denkstrukturen kennen lernt, der Kontakte zu großen Denkern knüpft, die seinen geistigen Horizont zusätzlich erweitern und der schließlich das alles zu großer Literatur verarbeitet. Vieles davon erfolgte naturgemäß im Verborgenen: im Ausland, im Untergrund, in konspirativen Zirkeln — unentdeckt von der Öffentlichkeit. Als Spion lebte Marlowe ebenso gefährlich wie als geschätzter Gesprächspartner kritischer Denker. Die breite Öffentlichkeit erlebte also einen — im Vergleich zu seinem wahren Charakter — relativ unscheinbaren Marlowe, der sich nur durch sein Werk als außergewöhnlicher Intellekt zu erkennen gab. Diese Parallele, der analoge Backround und die unglaubliche Karriere Marlowes lassen die Diskussionen um Shakespeares Autorenschaft in einem veränderten Licht erscheinen. Marlowes Biographie ist keine Legende — sondern in weiten Teilen ebenso unbestritten wie sein herausragendes lyrisches Talent.
Marlowe gilt als eines der bedeutendsten lyrischen Talente der britischen Literaturgeschichte — vielleicht sogar der Weltliteratur (natürlich nach/neben Shakespeare). Gleiches gilt für seine Fähigkeiten als Dramaturg. Wäre er nicht 1593 im zarten Alter von 29 Jahren ermordet worden, gäbe es vielleicht keine Verfasserdebatte über das Werk, das unter dem Namen Will Shakespeare erschienen ist. Denn neben einem vergleichbaren lyrischen Genie finden sich auch in den Werken von Marlowe und Shakespeare verblüffende Parallelen und Übereinstimmungen, deren große Zahl Marlowe zu einem idealen Verfasserkandidaten machen. Beide Werke scheinen stellenweise unverkennbar vom gleichen Autor zu stammen. War also Marlowe in Wahrheit Will Shakespeare? Dieser These steht tatsächlich fast nur sein früher Tod entgegen, der allerdings ein sehr starkes Argument gegen Marlowe ist.
Die Marlowianer verweisen an diesem Punkt gern auf die Geheimdienstverbindungen ihres Kandidaten. Marlowe war zweifelsohne ein Spion — das beweisen erhaltene Urkunden der britischen Lordschaft. Hat man seinen Tod vielleicht nur inszeniert — was für ein "Abgang" für einen großen Dramaturgen — um ihm eine neue Identität zu verschaffen? Die mysteriösen Umstände seiner Ermordung liefern durchaus Indizien für eine solche These — schließlich war sein Mörder ebenfalls Agent der Krone. Aber mehr als konstruierte, unbelegbare Spekulationen lassen sich aus diesen Indizien nicht ableiten. Marlowes Tod ist beurkundet und sogar offiziell untersucht worden — wenn auch nicht besonders gründlich. Die betreffenden Unterlagen sind im Original erhalten. Wer die Verfasserfrage objektiv beleuchten will, muss also davon ausgehen, dass Marlowe höchstwahrscheinlich viel zu früh gestorben ist, um der Autor des Werkes zu sein, dass unter dem Namen Will Shakespeare erschienen ist.
Dennoch räumen mittlerweile selbst orthodoxe Stratfordianer ein, dass das Werk Shakespeares erheblich von Marlowe beeinflusst wurde. Der Autor hat mit Sicherheit die Werke Marlowes gekannt und sie sogar an einigen Stellen als Hintergrundliteratur für die eigenen Stücke herangezogen. Bei einigen Stücken ist die Zuordnung zwischen Marlowe und Shakespeare in der Literaturwissenschaft bis heute umstritten: Stammt Marlowes Edward II in Wahrheit von Shakespeare oder Shakespeares Richard III in Wahrheit von Marlowe? Wo liegt die Trennlinie? Gibt es überhaupt eine?
Wahrscheinlich nur eine sehr dünne: Wie Leonardo da Vinci neben Michelangelo lebte, die sich gegenseitig inspirierten und gleichzeitig miteinander wetteiferten, fanden sich hier zwei ansonsten unvergleichliche lyrische Talente zur gleichen Zeit im alten London. Beide waren im gleichen Alter, beide kamen aus denkbar einfachen Verhältnissen, beide waren aus diesen Verhältnissen ausgebrochen, beide arbeiteten am Theater, beide veröffentlichten Stücke, beide hatten Kontakte zur Unterwelt (Shakespeare war zumindest einmal zweifelsfrei mit der Londoner Unterwelt in einen gemeinsamen Prozess verwickelt — als Mitangeklagter) usw. Es wäre schon ein unglaublicher Zufall, wenn sie sich nie über den Weg gelaufen wären.
Viel wahrscheinlicher ist, dass sie sich gut gekannt haben — bis zu Marlowes Tod vielleicht sogar zusammengearbeitet haben. Es ist durchaus möglich, dass einige frühe Werke Shakespeares in Wahrheit Gemeinschaftswerke sind. Es besteht auch die Möglichkeit, dass einzelne von ihnen komplett von Marlowe verfasst wurden. Schließlich ist die erste, autorisierte Folio-Ausgabe von Shakespeares Werken erst nach dessen Tod und damit auch lange nach Marlowes Ermordung veröffentlicht worden. Vielleicht hatten schon damals die Herausgeber Schwierigkeiten mit der Zuordnung einzelner Stücke. Shakespeares Theatertruppe hat höchstwahrscheinlich auch Marlowe-Stücke gespielt. Gleichzeitig lagen seine Werke nur teilweise als Quarto-Ausgaben vor, die meist unautorisierte Raubdrucke waren. Was war nun zweifelsfrei ein Shakespeare und was ein Marlowe? Die einzigen, die eine fundierte Antwort hätten geben können — die beiden Autoren — waren bei der Herstellung der Folio bereits verstorben.
Auch ein überzeugter Stratfordianer sollte daher damit leben können, wenn ein Richard II oder sogar ein Richard III gelegentlich Marlowe zugeschrieben werden — hier gibt es auch tatsächlich nur wenig Diskussionen. Gleiches gilt für die Übertragung von Edward III in das Werk Shakespeares. Bei einigen Werken Shakespeares wird es wohl nie eine befriedigende Lösung geben — beispielsweise bei den Sonetten: Der leidenschaftliche Liebhaber, der als Ich-Erzähler und Autor auftritt, passt mit seinem großartigen Witz und seiner verspielten, grandios-unkonventionellen Lyrik hervorragend zum jungen Marlowe. Alle selbstbeschreibenden Elemente deuten jedoch auf einen reiferen Herrn in gesetztem Alter hin, was eher für Shakespeare spricht, da Marlowe zu jung gestorben ist. Die vielfältigen homoerotischen Andeutungen zwischen dem Autor und dem zweifelsfrei männlichen, jugendlichen Adressaten sprechen wiederum für Marlowe, dem in mehreren Quellen nachgesagt wird, homosexuell gewesen zu sein. Schrieb hier Shakespeare dem fiktiven, weil bereits verstorbenen Marlowe? Reine Spekulation.
Wie auch immer man das Frühwerk Shakespeares zwischen beiden aufteilt — Marlowe kann aufgrund seines frühen Todes nicht der Autor des Gesamtwerkes gewesen sein, das unter dem Namen Will Shakespeare erschienen ist. Am Spätwerk kann er noch nicht einmal mitgewirkt haben — zu dem immerhin so großartige Stücke wie Hamlet, King Lear, der Kaufmann von Venedig und der Sturm gehören. Spätestens nach Marlowes Tod muss Shakespeare also als wahrscheinlichster, verbleibender Verfasserkandidat allein weitergearbeitet haben. Es findet sich nach Marlowes Wegfall unter den anderen Kandidaten zumindest kein zweites, vergleichbares lyrisches Talent zum Autor von Shakespeares Spätwerk.
Marlowes ebenso phantastische wie gesicherte Biographie zeigt allerdings, dass es möglich ist, dass sich ein Mensch mit dem biographischen Backround eines Will Shakespeare aus Stratford im elisabethanischen England zu einem literarischen Genie entwickeln konnte — vor allem mit einem Marlowe an seiner Seite. Shakespeares Autorenschaft wurde in keinem zeitgenössischen Dokument dementiert und offenbar zu seinen Lebzeiten auch nicht angezweifelt. Sein Name steht auf der ersten Folio und wird in den enthaltenen Grußworten gepriesen ("Schwan vom Avon" etc.).
Will Shakespeare aus Stratford ist bei objektiver Betrachtung der wahrscheinlichste Kandidat für die Verfasserschaft. Das großartige Spätwerk bleibt ihm vorbehalten – die Autorenschaft am Frühwerk ist damit kein Rätsel mehr. Und all die kleinen Auffälligkeiten wie die unterschiedliche Schreibweise seines Namens auf verschiedenen Ausgaben, das Rätsel um die Büste in Stratford oder etwaige "geheime" Hinweise in der "first Folio" — gern herangezogen zur Konstruktion wilder Mythen — können daran nicht wirklich rütteln. Es war Will.
Sven-Mulon Rutter, Dezember 2001

 

 


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